Poesie-Album-Einträge von Anno 1996 bezeugen es. Als Kind war ich ein absoluter Pizza-Fanatiker. Vor allem Pizza Funghi ließ mich alles um mich herum vergessen, denn in diesem Gericht vereinten sich meine Leibspeisen: Pizza und Pilze. Mit der Zeit ist mir die Faszination für Pizza jedoch leider ein wenig abhanden gekommen, langweilig fand ich es, immer die selben Variationen zu essen, mal abgesehen von den interessanten aber viel zu teuren Kreationen am Ende der Pizza-Karte. Ein Schlüsselerlebnis auf dem Weg zu diesem Rezept war da ein Besuch in einer toskanischen Trattoria, die zu den Standard-Pizzen auch Pizza Bianca auf der Karte hatten. Pizza ohne Tomatensauce, stattdessen mit einer sahnigen Creme und völlig neuartigen Belägen. Ich bestellte sie mit Feldsalat, Kartoffeln und Balsamico auf Trüffelpaste – und da war sie wieder, die Leidenschaft für Pizza, aus der auch diese weiße Gemüse-Pizza mit Knoblauch-Creme entsprungen ist. Von David Seitz
Was für den Deutschen sein Kartoffelbrei, ist für den Israeli sein Hummus. Im Grunde gilt Hummus sogar als Nationalgericht des gesamten Nahen Ostens. Palästinenser, Israelis, Libanesen, Syrer, für sie alle ist das cremige Kichererbsenpürree ein alltäglicher Begleiter zu anderen kleinen Häppchen, die man “Mezze” nennt. Wenn man so will verbindet dieses einfache Gericht die Länder des Orients, aller schwelenden Konflikte zum Trotz. Mittlerweile reicht die kulinarische Verbindung sogar bis nach Deutschland, auch wir sind dem Hummus verfallen, spätestens seit dem ersten Besuch bei unserem Lieblings-Israeli in München. Und weil die Zubereitung von Hummus so kinderleicht ist, gibt’s den hochkalorischen Snack nun auch immer öfters in der selbstgemachten Variante. Wie das geht lest ihr ihr. Von David Seitz
Liebe geht durch den Magen. In meinem Fall sogar im wörtlichen Sinne, denn meine Freundin ist Vegetarierin. Immer wenn wir gemeinsam in der Mensa der Uni Hamburg stehen, guckt sie ganz traurig – das fleischlose Angebot ist mager. Ihr Blick verrät die leise Hoffnung, dass von irgendwoher jemand kommt und ihr das Vegetarierschicksal erleichtert. Held, der ich bin, beschloss ich deshalb einen Monat lang ohne Fleisch zu leben, um den Blick meiner Freundin besser zu verstehen. Dies ist mein Tagebuch. Von Danny Marques Marcalo
Köbi motzt, der Kühlschrank ist mal wieder kaputt. Die gelagerten Käselaibe unterm Dach dürfen nicht vergammeln. Schweiß rinnt über seine Stirnfalten, hinein ins himmelblaue Unterhemd, das in der Jeans sitzt. 64 Jahre alt, gräuliches Haar, Sennerring im rechten Ohr, geht Jakob Knaus, genannt „Köbi“, dem nach, was er „sein liebstes Hobby“ nennt: der Sennerei. Von Jan Thomas Otte
Vieles von dem, was im Supermarkt an Fertigprodukten an einem vorbei rauscht, möchte man ja am allerliebsten einfach nur stehen lassen und doch findet sich hin und wieder eine unerwartete Perle inmitten der Glutamat-Hölle. So geschehen letzte Woche in Form eines Knäckebrots der Marke Wasa. “Delicate Thin Crisp Rosmarin & Salz” schmeckte wahnsinnig unaufgeregt und herrlich natürlich. Das wäre eigentlich Grund genug, sich zurückzulehnen und den seltenen Fund bei einem Gläschen Wein zu genießen. Doch das echte Glücksgefühl kehrte erst ein, als die selbstgemachte Variante aus dem Ofen duftete – mit Parmesan gepimpt, vollkommen anders als die Vorbilder aus dem Supermarkt und doch genauso knusprig. Danke Wasa für die Inspiration, ich back’ mir mein Knäckebrot in Zukunft selbst! Von David Seitz
Denkt man an koreanisches Essen, fallen einem vielleicht Kimchi oder Kimbap, jedoch bestimmt nicht Pfannkuchen ein – zu Unrecht, denn auch im fernen Korea gelten Pfannkuchen als Delikatesse, jedoch bereitet man sie dort ein wenig anders zu als hierzulande. “Masitda” sind diese Pfannkuchen allemal, was auf deutsch so viel bedeutet wie köstlich oder lecker. Mit den besten Zutaten, die die koreanische Küche hergibt, schmeckt er vollkommen anders und möglicherweise noch viel besser als Omas altbewährte Pfannkuchenkreation.
2 PS, bis zu 1200 Watt Leistung und über 600 Umdrehungen pro Sekunde im Turbo-Modus. Was nicht ganz ins Bild passt: Das beschriebene Objekt rollt nicht über Straßen, sondern steht in der Küche und wiegt gute fünf Kilogramm. Die Rede ist vom Vitamix, einem echten Schwergewicht im Segment der Hochleistungs-Standmixer. Meine erste Begegnung mit ihm ließ mich beeindruckt zurück. Bei einem Smoothie Workshop verwandelte er vor meinen Augen hartes Gemüse binnen Sekunden in ein homogenes Muß. Als sich dann kürzlich die Möglichkeit bot, das Ungestüm selbst einmal einem Härtetest zu unterziehen, musste ich zugreifen. Nach 6 Wochen intensiver Tests, bin ich nun bereit, das Urteil zu fällen. Von David Seitz
Beim Essen ist Musik ein guter Prüfstein; denn ist das Essen gut, so hört man die Musik nicht – das sagte einst der Schriftsteller Christian Dietrich Grabbe. Ein interessanter Ansatz, zugegeben. Doch wir finden, dass Essen und Musik auch eine wunderbare Symbiose eingehen können. Denn wie schön ist es, wenn zu einem edlen Glas Champagner im Hintergrund die Bässe rumpeln und zum Holzfällersteak Beethovens 9. Sinfonie die Stille durchbricht. In diesem Sinne servieren wir euch an dieser Stelle unser zweites auditives Sternemenü – in fünf Gängen. Von David Seitz
Warum sollte man eine Paprika grillen, wenn man sie auch braten oder kochen kann – gerade wenn man sie später sowieso als Suppe püriert? Grund Nummer eins: Diese Suppe lebt von den Röstaromen, die beim Grillen auf der Paprika-Haut entstehen. Im Gegensatz zu anderen Gerichten wird die Haut nämlich nicht abgezogen, sondern im Mixer bei höchster Leistung mitsamt ihrer Aromen in winzige Geschmacksträger zerstäubt. Grund Nummer zwei: Nur im Backofen karamellisiert der Zucker im Paprika-Fleisch so extrem, dass das Gemüse einen durchdringend süßen Geschmack annimmt, der zum ausdrucksstarken Charakter der Suppe avanciert. Die Süße unterstreichen wir durch eine Honig-Note und setzen ihr als Gegenpart einige Tropfen herben Sesamöls entgegen, für einen Hauch Schärfe sorgt eine Prise Piment d’Espelette. Von David Seitz
Denke ich etwa 10 Jahre zurück und versuche mich daran zu erinnern, welche kulinarischen Momente sich damals in mein Gedächtnis eingebrannt haben, dann erscheint unweigerlich ein ganz bestimmtes Bild vor meinen Augen: Ein riesiges Buffet, voll frittierter “Köstlichkeiten”, daneben gebratene Nudeln, knusprige Ente und die obligatorische Peking-Suppe. Ich war damals 13, das chinesische All-You-Can-Eat Buffet war neu und der letzte Schrei im kleinen Provinzdorf. Heute stelle ich erschrocken und gleichzeitig ein wenig erleichtert fest: Die schier inflationäre Zahl (sogenannter) Chinesischer Restaurants hat drastisch abgenommen, doch kaum einer merkt es. Zu verdanken haben wir das Laoten, Vietnamesen, Thailändern und Japanern, die fast unbemerkt zur Revolution in Deutschlands Asia-Küchen-Landschaft angesetzt haben. Doch wo liegen die Ursachen? Ein Erklärungsversuch. Von David Seitz








